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Der Sprachteufel

Ein hitzig diskutiertes Politikum: Das Gendern, die Linguistik und die Medien

von Manfred Riepe

© s. u.

Ein Mensch, der singt, ist ein Sänger. Wer liest, ist ein Leser. Und jemand, der arbeitet, ist ein Arbeiter. So weit, so gut. Wenn es jedoch in einer Stellenanzeige heißt: „Arbeiter gesucht“ oder „Sänger gesucht“ – werden dann in den Köpfen mehrheitlich Männer assoziiert? Wenn man hört, jemand gehe „zum Arzt“ – stellt man sich bei dem Mediziner in aller Regel einen Mann vor? Werden demnach Frauen ‚unsichtbar‘ gemacht und diskriminiert?

Dies behauptet die feministische Linguistik. Vor nicht allzu langer Zeit galt diese Forschung noch als exotisches Randgebiet. Inzwischen ist der Gebrauch der ‚geschlechtergerechten‘ bzw. ‚geschlechtersensiblen‘ Sprache zu einem hitzig diskutierten Politikum geworden. Sprache, so das Argument, sei kein bloßes Kommunikationsmittel. Sie transportiere auch Normen, Wertvorstellungen und Diskriminierungen. Das funktioniert so: Im deutschen Satz „Ich gehe zum Arzt“ wird angeblich die übergeordnete bzw. ‚generische‘ Form „der Arzt“ im Sinne des Berufstands nach dem männlichen Singular gebildet. Aus diesem Grund, so die Auffassung feministischer Linguistik, sei die generische Form nicht nur generisch. Sie sei insgeheim männlich. Beim Lesen und Hören würden deshalb Frauen und nicht-binäre Personen nicht eindeutig benannt. Sie würden, wenn überhaupt, nur ‚mitgemeint‘. Die deutsche Sprache transportiere somit eine patriarchale Gesinnung.

Eine kleine, einflussreiche Zielgruppe

Das generische Maskulinum sei daher für „eine der Sorgfalt und Genauigkeit verpflichtete Kommunikation nicht geeignet“. So steht es beispielsweise in der kürzlich von der Stadt Frankfurt am Main herausgegebenen Broschüre Hilfreiche Tipps und gute Argumente für eine geschlechtergerechte Sprache, einem Ratgeber, dessen Botschaft gegenwärtig von immer mehr Stadtverwaltungen, Landes- und Kommunalregierungen, Universitäten, öffentlich-rechtlichen Sendern, PR-Agenturen und vielen weiteren Medienschaffenden kommuniziert wird.

© s. u.

Einer kleinen, aber einflussreichen Zielgruppe leuchtet die Verwendung geschlechtersensibler Sprache ein. Es gehe schließlich darum, so das Argument, der Diskriminierung von Frauen entgegenzutreten. Es sei endlich an der Zeit, Geschlechtergerechtigkeit auch auf der sprachlichen Ebene herzustellen. Gendern, so die unausgesprochene Überzeugung, ist ja eigentlich das linguistische Pendant zur Sklavenbefreiung. Wer also gegen das Gendern argumentiert, hat schlichtweg die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Es gehe folglich darum, so noch einmal die Broschüre der Stadt Frankfurt, „überholte Sprachgewohnheiten“ abzuschaffen, namentlich das generische Maskulinum. Die von der Broschüre geforderte „Sorgfalt und Genauigkeit“ soll hier beim Wort genommen werden. Anhand eines populären Beispiels, das zur Illustration des generischen Maskulinums als Sprachteufel gerne herangezogen wird, soll ausgeführt werden, dass die Befürwortung des Genderns nur auf einer gefühlten Notwendigkeit basiert:

Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto. Sie überqueren einen unbewachten Bahnübergang, als ein heranfahrender Zug das Auto erfasst. Der Vater ist sofort tot. Der Sohn wird schwer verletzt ins Krankenhaus zur Notoperation eingeliefert. Er liegt im OP, da geht die Tür auf und der Chirurg kommt herein. Er schaut den Patienten an und sagt: „Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn.“

Die kleine Geschichte sorgt für gewollte Irritation: Wenn der Vater tot ist – wie kann dann der Chirurg behaupten, der Patient sei sein Sohn? Geht es hier um eine Queerfamilie? Nein, die Lösung liegt nach kurzem Nachdenken auf der Hand: Der „Chirurg“ ist kein Mann. „Er“ ist eine Frau. Aha! Dies entgeht dem Leser des Beispiels zunächst, weil er mit „Chirurg“ arglos einen Mann assoziiert. Nach Auffassung der feministischen Linguistik gehen Sprecher, Hörer und Leser bei der nach dem generischen Maskulinum gebildeten Bezeichnung für Funktionsträger wie ‚die Bäcker’, ‚die Zuschauer’ oder ‚die Autofahrer’ immer wieder in diese Falle. Um das zu ändern, soll im Sinne der politischen Korrektheit ein Eingriff in die Sprache Frauen endlich ‚sichtbar‘ machen, obwohl dieser Eingriff rein sprachlich betrachtet eigentlich gar nicht notwendig wäre.

Das griffige Paradigma von der ‚Sichtbarkeit‘, das unter Befürwortern des Genderns allgemeine Zustimmung findet, setzt jedoch eine unmittelbare visuelle Wahrnehmung an die Position eines Prozesses, bei dem es tatsächlich um ein genuin sprachliches Verstehen geht. Also um einen kognitiven Vorgang des Entzifferns. Wenn wir sprechen, lesen oder zuhören, dann stützen wir uns auf eine Systematik, die weit über das hinausreicht, was hier als unmittelbare ‚Sichtbarmachung‘ bezeichnet wird.

Binnen-I und Unterstrich, Genderstern und Glottisschlag

Die Argumente gegen den Gebrauch geschlechtersensibler Sprache sind längst ausgetauscht. Wer gendert, so die Kritik, der setzt das grammatische und das biologische Geschlecht gleich. Das ist unstatthaft, weil das Genus nicht nur geschlechtlich verwendet wird, also für die Bezeichnung für Männliches und Weibliches. Im Deutschen gibt es, neben dem Neutrum, auch noch eine Form, die im Singular wie im Plural ungeschlechtlich gebraucht wird, das Androgynum, wie: der Mensch, die Menschen, der Gast, die Gäste, der Flüchtling, die Flüchtlinge.

Dann gibt es aber die große Gruppe von Formen, die praktisch von jedem Verb abgeleitet werden können und auf dem Suffix „er“ enden, also: „arbeiten“ – der „Arbeiter“. Diese Formen werden im Plural abgelöst vom Geschlecht verwendet. So sagt es die Grammatik. Doch wenn beispielsweise der Linguist Peter Eisenberg daran erinnert, dass bei Verwendung des generischen Maskulinums „Frauen […] als Gruppe gar nicht gemeint, ebenso wie Männer gar nicht gemeint sind“, dann leuchtet dies nicht allen ein. Befürworter der feministischen Linguistik sind darauf fixiert, dass es zwischen der Bezeichnung für das männliche Individuum – also „der Angestellte“ im Unterschied zu „die Angestellte“ – und der übergeordneten, generischen Bezeichnung im Sinne von „der Angestellte als solcher“ eine problematische Identität gibt.

Damit also in Sätzen wie „Die Briten haben sich für den Brexit entschieden“ die weiblichen Briten nicht ‚ausgeblendet‘ werden, schlägt eine immer einflussreicher werdende Minderheit das Binnen-I (BritInnen), den Unterstrich (Brit_innen), die Doppelnennung (Brit/innen), den Doppelpunkt (Brit:innen) oder für den zusätzlichen Einschluss geschlechtlich diverser Personen den Genderstar (Brit*innen) vor. Weil der * von Lesevorrichtungen für Blinde nicht erkannt wird, hat sich in letzter Zeit der etwas unauffälligere Doppelpunkt durchgesetzt (Brit:innen). Diese Sprachkorrektur führt, insbesondere beim Aussprechen mittels ‚Klicklauten‘ bzw. dem Glottisschlag, zuweilen zu gewöhnungsbedürftig anmutenden Sprechhandlungen.

Der oft vorgebrachte Einwand, dieses Gendern würde die Sprache ‚verhunzen‘, vermag aber nicht zu überzeugen. Ästhetische Bedenken bleiben subjektiv und führen nicht zu einer sachlichen Diskussion. Die Schwierigkeit, das Gendern nicht polemisch zu kritisieren, besteht darin, deutlich zu machen, warum Sprache kein ‚Werkzeug‘ ist, bei dem aufgrund des generischen Maskulinums etwas eingerastet ist, das man, wie eine quietschende Tür mit etwas Öl, durch Doppelnennung der Geschlechter wieder gangbar machen würde. Ein solcher Eingriff in die Sprache ist problematisch aus einer Reihe weiterer Gründe, die hier ‚sichtbar‘ gemacht werden sollen:

Gendern ist fragwürdig,

  • weil der Unterschied zwischen dem Deutschen und Sprachen ohne Genus nicht berücksichtigt wird,
  • weil es in der Sprache keine starre, präformierte Form gibt, die Sprecher ungewollt zur Diskriminierung nötigt,
  • weil Sprache folglich keinem ‚geistigen Gefängnis’ entspricht,
  • weil Sprache sich aufgrund des unmotivierten Verhältnisses zwischen Ausdruck und Bedeutung permanent wandelt, sodass die Konservierung einer diskriminierenden Form nicht erklärbar ist,
  • weil die Beziehung zwischen Ausdruck und Bedeutung anders ist, als die feministische Linguistik es unterstellt; das biologische Geschlecht ist kein ‚außersprachlicher Referent’, der mittels Genderstern mit einem ‚sprachlichen Zeigefinger’ benannt würde,
  • weil die feministische Deutung des generischen Maskulinums der Volksetymologie entspricht
  • und weil Sprache durch die erzwungene stereotype Nennung des biologischen Geschlechts verarmt.

Gendern ist quasi pornografisch

Zunächst zum letztgenannten Problem: Folgt man dem Basisaxiom der Befürworter gendersensibler Sprache, so steht der Sprecher bei jedem einzelnen Sprechakt vor dem Problem, dass er bei der Bildung abstrakter Oberbegriffe für menschliche Funktionsträger, in denen das Geschlecht irrelevant ist, fortan gezwungen wird, die biologische Geschlechtlichkeit in den jeweiligen Sachverhalt hineinzutragen. Das heißt: Wer von Christen, Juden, Muslimen, Ausländern, Experten, Anfängern, Fußgängern oder von Autofahrern sprechen möchte, ist im Sinne einer immer wachsamer werdenden Sprachbürokratie dazu angehalten, die Geschlechtlichkeit des jeweiligen Funktionsträgers auch dann mit anzugeben, wenn sie keine Rolle spielt.

Wohin dies führt, hat die jüdische Schriftstellerin Nele Pollatschek ausgemalt. In einem Artikel im Tagesspiegel (zu allen Zitaten siehe die Literaturliste am Ende dieses Textes) erklärt sie: „Wenn wir im Deutschen gendern, dann sagen wir damit: Diese Information ist so wichtig, dass sie immer mitgesagt werden muss. Und wir sagen: Nur diese Information muss immer mitgesagt werden.“ Was diese Information, die wir beim Gendern demonstrativ herausstellen, konkret bedeutet, bringt Pollatschek pointiert zum Vorschein. „Denn es geht“, so ihre Schlussfolgerung, „primär um das imaginierte Geschlecht im biologischen Sinne, also um Geschlechtsteile.“ Wer also eine Frau gendert, so Pollatschek, „kann auch gleich ‚Vagina!’ rufen. Das hat den gleichen Informationswert, wäre aber komischer und aufrichtiger und mir deutlich lieber.“

„Wenn es mich nicht gerade traurig macht“, so die Zusammenfassung ihrer Überlegung, „kann ich einen gewissen Humor darin entdecken, wie besessen Deutschland von Genitalien ist. Denn mit wenigen Ausnahmen geht es beim Gendern um Genitalien, nicht notwendigerweise um die, die wir sehen, aber um die, von denen wir denken, dass sie da sind.“ Und aus diesem Grund läuft es bei der sogenannten geschlechtersensiblen Sprache darauf hinaus, wie der Schweizer Pädagoge Arthur Brühlmeier schon 2009 anmerkte, dass „der Sexismus nicht etwa“ – so die gute Absicht – „aus der Sprache entfernt, sondern erst konsequent in sie eingeführt“ wird. Die vermeintlich genderneutrale Sprache führt zur Sexualisierung des Sprechens und des Schreibens. Gendern ist quasi pornografisch.

Wenn also jede gegenderte Frau implizit als ‚Vagina‘ bezeichnet wird – wie steht es dann mit dem Flirt? „Gendergerecht flirten zu sollen“, so die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, „das haut nun mal nicht hin.“ Damit nicht genug: Mit dem gleichen Recht, mit dem die geschlechtergerechte Sprache unterdrückte Frauen aus der Versenkung holen möchte, könnten auch andere Minoritäten ihren Anspruch auf ‚sprachliche Sichtbarkeit’ anmelden. „Wenn es also“, so Nele Pollatschek, eine eigens geschaffene „Wortform für weibliche Berufsausübende braucht, bedarf es dann nicht genauso einer Wortform für jüdische oder schwarze oder schwule Berufsausübende mit Behinderung? Wenn es wichtig ist, ein Wort zu verwenden, das die beiden Informationen ‚Bundeskanzler‘ und ‚Frau‘ oder ‚Schriftsteller‘ und ‚Frau‘ enthält, wäre es dann nicht genauso richtig, auch die Information ‚jüdisch’ in das Wort aufzunehmen?“

Und die anderen Sprachen?

Eher selten wird die Frage aufgeworfen: Ist das generische Maskulinum eigentlich ein ‚Defekt’ nur der deutschen Sprache? Die Linguistin Hadumod Bußmann unternahm schon vor 25 Jahren den Versuch, das Problem als universelle Fragestellung zu artikulieren: „Die Bevorzugung des Maskulinums als sowohl männliche Referenten bezeichnende wie auch als ‚generisch’ zu interpretierende Form“, so Bußmann, „findet sich offensichtlich in fast allen Genussprachen“ (Bußmann 1995: 138). Den Beweis für diese Behauptung bleibt die Sprachwissenschaftlerin jedoch schuldig, denn sie führt keine Belege an.

Wolfgang Klein, Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, rückt unterdessen Sprachen ins Blickfeld, bei denen es, anders als im Deutschen, eine grammatische Unterscheidung des Geschlechts nicht gibt: „In vielen, wenn nicht den meisten Sprachen der Welt gibt es überhaupt keine Unterscheidung nach dem Geschlecht in der Grammatik; das Chinesische kennt sie nicht.“ Aber, so der Linguist, „den Frauen in China ging und geht es bestimmt nicht deshalb besser, weil es seit jeher eine neutrale Form gibt. Und in anderen Sprachen, etwa dem Englischen“, so Klein, beschränke die Unterscheidung „sich auf die Wörter ‚he’ und ‚she’“.

Der Verweis auf das Englische ist aufschlussreich. Im Gegensatz zur feministischen Linguistik in Deutschland gilt den Briten das hierzulande geächtete generische Maskulinum gerade als Kriterium sprachlicher Emanzipation. „Zu dem Zeitpunkt, als deutsche Zeitschriften, vor allem die eher links-progressiven, anfingen, anstatt von ‚Schauspielern’ von ‚Schauspielern und Schauspielerinnen’, Schauspielenden, SchauspielerInnen, Schauspieler_innen und Schauspieler*innen zu schreiben, beschloss der Guardian – die englische Zeitung der feministischen Linken – nur noch das Wort ‚Actor’ zuzulassen und ‚Actress’ zu streichen“, erklärt Nele Pollatschek: „Use for both male and female actors; do not use actress except when in name of award, eg Oscar for best actress.“ So lautet die Anweisung im vom Guardian zusammengestellten style guide für Autoren.

Ist Deutsch eine Männersprache?

Skepsis gegenüber dem Gendern ist schon aufgrund des ungewollt komischen Titels jenes Buchs geboten, das Luise F. Pusch, Vorreiterin der feministischen Linguistik, bereits 1984 vorlegte. Ist tatsächlich, wie ihre Aufsatzsammlung apodiktisch behauptet, „das Deutsche eine Männersprache“? Sind Deutsche also schon aufgrund ihrer Muttersprache per se frauenfeindlich? Diese Frage beantwortet sich mit einem Seitenblick auf das Arabische, wo es kaum geschlechtsneutrale Formen gibt. Das maskuline Personalpronomen „du“ lautet auf Arabisch anta und das feminine anti. Das Arabische gendert, Frauen sind im arabischen Kulturraum sprachlich ‚sichtbar‘ – müssen sich aber oftmals gegen ihren Willen verhüllen und werden aus dem öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen.

Die Forderung nach einer Korrektur der deutschen Sprache durch Einführung geschlechtersensibler Formulierungen basiert zudem auf einer problematischen Vorannahme. So wird unreflektiert vorausgesetzt, es gäbe eine in der Sprache selbst verwurzelte, vorherbestimmte und unwandelbare Ausdrucksform. In diesem Sinn fungiert auch die kleine Geschichte von dem Chirurgen, der eigentlich eine Frau ist, wie eine Suggestion: Auf trügerische Weise soll sie vor Augen führen, wie Sprache den arglosen Sprecher wie auf zuvor verlegten Eisenbahnschienen auf das Abstellgleis der Diskriminierung führt.

„Von endlichen Mitteln einen unendlichen Gebrauch machen“

Um die Unschärfe dieser weltanschaulich geprägten Sprachauffassung aufzuzeigen, muss man ausholen. So ist Sprache allein deshalb in der Lage, jene unerschöpfliche Bedeutungsvielfalt zu produzieren, die wir in Romanen, Gedichten und spontanen Reden kennen, weil es festgelegte Zusammenhänge zwischen dem Gebrauch bestimmter Worte und einer damit assoziierten Bedeutung grundsätzlich nicht gibt (ich werde darauf zurückkommen).

Ist Sprache damit chaotisch? Nein, sie basiert zwar auf Konvention, das heißt, wir verwenden ein im Wörterbuch festgehaltenes Vokabular, das wir nach präzise beschreibbaren grammatischen Regeln anwenden; tatsächlich jedoch basiert Sprache vor allem auch auf einem sich unmerklich, aber kontinuierlich verändernden Regelkanon. Daher lässt sich der einzelne Sprechakt niemals algorithmisch vorhersagen. Und zwar deswegen, weil, wie schon Alexander von Humboldt anmerkte, Sprache „von endlichen Mitteln einen unendlichen Gebrauch machen“ kann. Mit einer geringen Anzahl von Wörtern können wir eine prinzipiell unausschöpfliche Menge von Sätzen, Witzen, Kalauern und Gedichten formen. Wäre dem nicht so, wären längst alle Romane geschrieben.

Der blinde Fleck der Genderbefürworter

Die Schlussfolgerung aus diesem scheinbar simplen Argument ist weitreichend. So ist der Sprachgebrauch zwar nicht willkürlich, sondern regelgeleitet. Dem Sprechen wohnt jedoch eine konstitutive Brüchigkeit inne. Aus diesem Grund lässt sich das Sprechen niemals auf die in sich abgeschlossene Struktur einer mathematischen Formel herunterbrechen. Sprache wurzelt etwas Anarchisches inne: Genau hier haben Befürworter des Genderns ihren blinden Fleck. Unwissentlich unterstellen sie, die Entwicklung der Sprache, des Sprechens und des Schreibens sei beim generischen Maskulinum an ein fixes Ende gelangt, weil nämlich jeder Sprechakt wie bei einer hängenden Schallplatte immer wieder das Gleiche sage – folglich dann auch eine wie von einem Computerprogramm hervorgebrachte Diskriminierung von Frauen.

Hier gerät nun die vermeintliche Evidenz empirischer Assoziationsstudien in den Blick. Scheinbar liefern solche Untersuchungen den Beleg, dass Hörer und Leser in vergleichbaren Fällen wie bei „der Chirurg“ nur an die männliche Form denken. Die Linguistin Ewa Trutkowski von der Universität Frankfurt monierte in einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung, solche Untersuchungen seien Tricksereien. Sie würden vorgeben, sie könnten ein standardisiertes Verständnis- und Leseverhalten empirisch nachweisen. Dadurch werde aber, so Trutkowski, eine Simplifizierung menschlichen Sprachverhaltens betrieben.

Beispiel: Wer einmal einen Artikel geschrieben und diesen gemeinsam mit einem engagierten Redakteur am Telefon redigiert hat, weiß nur zu gut, welche mannigfaltigen, nicht geplanten Lesarten jedem einzelnen Satz offenstehen. Unbeabsichtigte Vieldeutigkeiten erzeugen eine zuweilen verblüffende Streubreite der Lesarten und Deutungsmöglichkeiten. Sprache und Sprachgebrauch lassen sich folglich in keiner Weise standardisieren.

Die Fehleinschätzung, das generische Maskulinum bewahre eine statische Konstante – nämlich die ‚Unsichtbarmachung’ von Frauen –, basiert folglich auf einer in vieler Hinsicht verkürzten Sicht auf Sprache. Sie widerspricht dem Prinzip des empirisch bestens erforschten Grundsatzes des kontinuierlichen Sprachwandels. So erfolgt in jeder Sprache eine kontinuierliche Lautverschiebung. Worte wurden früher anders ausgesprochen. Wir wissen oftmals gar nicht mehr, wie. Doch nicht nur Laute, auch Bedeutungen haben sich ebenso wie die Grammatik über die Jahrhunderte hinweg kontinuierlich gewandelt. Das alltägliche Aufkommen neuer Bedeutungen belegt diesen Gemeinplatz.

Kontinuierlicher Sprachwandel

Dieser kontinuierliche Sprachwandel ist aber nur möglich, weil es das von Ferdinand de Saussure, dem Begründer der modernen Sprachwissenschaft, sogenannten Prinzip der Arbitrarität gibt. Das heißt, die prinzipielle Unmotiviertheit sprachlicher Zeichen, die in keiner Weise natürlich vorherbestimmt sind. Mit genau diesem Problem befasst sich auch die feministische Sprachforscherin Luise F. Pusch, die in ihrem Buch von 1984 den Einwand der Arbitrarität ebenfalls aufgreift. Unter Arbitrarität versteht Saussure die Tatsache, dass die Beziehungen zwischen bestimmten Lautbildern (Wörtern) und den mit ihnen korrespondierenden Begriffen und Vorstellungen völlig beliebig (arbiträr) sind.

Aus diesem Kernbegriff der modernen Linguistik folgt nicht etwa, so ein verbreiteter Irrtum, dass es in der Sprache keine Regeln gäbe. Es geht allein darum, dass es keine vorgegebene Kausalbeziehung zwischen einem bestimmten Lautmaterial und einer Bedeutung gibt, auf die dieses Lautmaterial verweist. Es gibt folglich kein bestimmtes Lautmaterial, das – wie beim generischen Maskulinum unterstellt – einen stereotyp wiederkehrenden Begriff erzwingen würde. Was im Deutschen „Ochse“ genannt wird, heißt im Französischen bœuf. Jedes anders klingende Wort hätte verwendet werden können. Es gibt also nichts in der Vorstellung „Ochse“, das kausal auf das Lautmaterial O k s verweisen würde. Ist aber im Sinne des generischen Maskulinums von Autofahrern, Zuschauern oder Klingonen die Rede, so unterstellen Befürworter gendersensibler Sprache eine fixe, unwandelbare Verknüpfung zwischen Wort und diskriminierender Bedeutung.

„Schäfer ist nicht gleich Schaf + er“

Auf dieses Schlüsselargument der modernen Linguistik geht auch Pusch ein. An Saussures Feststellung, das sprachliche Zeichen sei beliebig, so Pusch, „habe auch ich bis vor kurzem nicht gezweifelt“ (Pusch 1984: 32). Doch dann habe sie zwei interessante Vorträge des amerikanischen Sprachwissenschaftlers John Robert Ross über Die Grenzen der Arbitrarität gehört. Mit Ross bezieht die Vorreiterin für gendersensible Sprache sich auf jenes Kapitel, in dem Saussure in seinem Standardwerk von 1916 die völlige von der relativen Motiviertheit unterscheidet. Saussure erklärt: „So ist elf unmotiviert, aber drei-zehn ist es nicht im selben Grade, denn es evoziert die Terme, aus denen es zusammengesetzt ist“ (Saussure 2013: 277). Ähnlich verhalte es sich auch mit dem Wort Schäfer, das aus dem Wort Schaf motiviert ist.

Es gibt also Begriffe, deren Lautmaterial nicht völlig beliebig ist. Und zwar deswegen, weil deren Bildungsprinzip eine systematische Abwandlung bereits gegebener Wortelemente darstellt. Es gibt folglich Wörter, die von anderen abgeleitet und daher motiviert sind. An dieses Prinzip der relativen Motiviertheit anknüpfend, stellt Luise F. Pusch nun triumphierend die rhetorische Frage: „Was rufen nun die Maskulina man und jedermann den Frauen ins Gedächtnis? Richtig – das Wort Mann…“ (Pusch 1984: 33). Diese relative Motiviertheit des sprachlichen Zeichens würde laut Pusch also erklären, dass mit dem generischen Maskulinum eben doch eine präformierte, ‚fest verdrahtete’ Sprachform gegeben sei, die Frauen diskriminiert.

Doch auch dieses Argument überzeugt nicht, denn es basiert auf einer unaufmerksamen Lektüre. So fügte Saussure unmittelbar hinzu: „Die Motivierung [ist] niemals eine vollständige, denn es sind nicht nur die Bestandteile eines motivierten Zeichens einerseits völlig beliebig […], sondern der Wert des Gesamtausdrucks ist niemals gleich der Summe der Werte seiner Teile: Schäfer ist nicht gleich Schaf + er“ (Saussure 1967: 157). Ungeachtet der eigentlichen Argumentation Saussures zieht Pusch das Grundprinzip, wonach zwischen Sprachlaut und Bedeutung keine motivierte Beziehung besteht, grundsätzlich in Zweifel. So behauptet sie mit J.R. Ross, es gebe „einen ‚Sounder’ im menschlichen Sprachzentrum […], der unsere Kernvorstellungen in die ‚richtigen, passenden’ Laute umsetzt“ (Pusch 1984: 32). 

Ferdinand de Saussure (1857 – 1913)
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Problematisch an dieser Auffassung ist, dass Pusch aus ihr ableitet, es gebe, wie sie behauptet, „die richtigen, passenden Laute“. Doch wer entscheidet hier, was ‚richtig‘ und was ‚falsch‘ wäre?

Wenn Luise F. Pusch im selben Atemzug von einer „jahrtausendalten Abhängigkeit der Frau“ (Pusch 1984: 52) spricht, die durch sprachliche Formen geknechtet werde, dann behauptet sie auch zwangsläufig, Sprache sei ein unveränderbarer, in sich ruhender Korpus fest verankerter Bedeutungen. Eine dieser starren Bedeutungen wäre dann (nach Pusch) das generische Maskulinum.

Das generische Maskulinum – die Wurzel einer Diskriminierung?

Gendern basiert auf einer Sprachauffassung, die sich zur seriösen Linguistik so verhält wie der religiöse Kreationismus zur wissenschaftlichen Evolutionsbiologie. Da die Befürwortung geschlechtersensibler Sprache bei einflussreichen Minoritäten aber dennoch immer populärer wird, stellt sich die zu Beginn aufgeworfene Frage: Gibt es möglicherweise eine in der Sprache selbst wurzelnde Eigenart, welche die sachlich unhaltbare Lesart begünstigt, das generische Maskulinum sei die Wurzel einer Diskriminierung? Vieles spricht dafür, dass es tatsächlich eine derartige ‚Sollbruchstelle’ gibt. Der Erfolg des Genderprojekts basiert unter anderem auf einem verbreiteten Missverständnis über das Verhältnis von Sprache zur sprachlich bezeichneten Wirklichkeit.

Die naive Sprachauffassung geht davon aus, dass wir mit sprachlichen Mitteln (Wörtern und Sätzen) auf nicht-sprachliche Dinge verweisen, also auf Gegenstände („Das ist ein Tisch“) oder Sachverhalte (beispielsweise eine Straftat oder ein Fußballspiel). Diese Auffassung bildet auch das Rückgrat der Befürwortung gendersensibler Sprache. Wir finden diese Betrachtungsweise unter anderem im umstrittenen Duden-Ratgeber Richtig gendern. Hier heißt es: „Zusammenfassend kann als Ergebnis festgehalten werden: Das ‚generische Maskulinum’ führt eindeutig [dazu, dass] Frauen als mögliche Referenzpersonen […] in der Vorstellung von Sachverhalten der außersprachlichen Welt nicht repräsentiert werden“ (Diewald/Steinhauer 2017: 120).

„Sexualverschiedenheit am lebenden Wesen“

Was eine solche „Referenzperson [in] der außersprachlichen Welt“ ist, scheint auf den ersten Blick unstrittig zu sein. Dabei geht es um das ‚biologische Geschlecht‘. Unser Zugang zu dem, was man unter einem Mann oder einer Frau versteht, scheint unmittelbar zu sein. „Das Natürliche des Substantivs“, schreibt bereits der Sprachpionier Jacob Grimm, „gründet sich auf Beobachtung der Sexualverschiedenheit am lebenden Wesen, d.h. dem Menschen und den Thieren“. Diese primäre Beobachtung, so Grimm weiter, formt erst im zweiten Schritt die Sprache: „Das grammatische Geschlecht ist eine, aber im frühsten Zustande der Sprache schon vorgegangene Anwendung oder Übertragung des Natürlichen auf alle und jede Nomina.“

Diese naive Auffassung hat einen blinden Fleck. Deutlich wird er im Hinblick auf die doppelte Fragestellung: Wie funktioniert eigentlich diese „Übertragung des Natürlichen auf alle und jede Nomina“? Was ist das „Natürliche des Substantivs“? Diese Fragen scheinen sinnlos zu sein. Denn sexuelle Identität, so die Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling von der Universität Mainz, entspricht ja der „sprachexternen Kategorie Geschlecht“ (Nübling 2020: 7).

Sprachliche Codierung

Diese verbreitete Auffassung blendet jedoch aus, auf welche Weise wir zu dieser „sprachexternen Kategorie Geschlecht“ überhaupt Zugang haben. Wir sehen, so scheint es, eine Person und stellen – scheinbar unmittelbar und ohne Sprache – fest: Das ist eine Frau bzw. das ist ein Mann. In der Entwicklungspsychologie ist es jedoch unstrittig, dass Kinder den Unterschied zwischen Geschlechtern nicht von Anfang an kennen. Sie müssen ihn erst lernen. Wie aber funktioniert dieses Lernen? Zweifellos mit Wörtern. Mit zunehmendem Alter lernen wir mehr und mehr Wörter und Begriffe, mit denen wir mehr und mehr Merkmale der äußeren (und inneren) Welt unterscheiden können. Diese Merkmale befinden sich aber nicht an den Gegenständen selbst. Vielmehr lernen wir allmählich, wie wir Begriffe an äußere Gegenstände oder an innere Seelenzustände annähern.

Folglich erkennen wir Gegenstände der inneren und äußeren Welt erst im Zuge der zunehmenden Ausdifferenzierung unseres Vokabulars. Wer einmal versucht hat, jemandem am Telefon den Weg zu beschreiben oder einem Techniker klarzumachen, was genau am Computer nicht funktioniert, dem wird schmerzlich bewusst, dass wir zu unserer äußeren Wirklichkeit nur in dem Maße Zugang haben, als wir sie dezidiert in Worte fassen können. Darauf spielt Karl Valentin in jenem Kurzfilm an, in dem er von der Apothekerin gefragt wird, was dem schreienden Baby auf seinem Arm fehle. Er wisse es nicht, erklärt Valentin, denn: „Es sagt ja nichts.“

Zu dieser erlernbaren Begrifflichkeit zählen insbesondere Merkmale wie primäre und sekundäre Geschlechtsorgane, die zur Sondierung der sexuellen Differenz maßgeblich sind. Man sieht also, dass das, was wir eben noch als das ‚natürliche‘ bzw. das ‚biologische Geschlecht‘ bezeichnet haben, so natürlich gar nicht ist. Die Fähigkeit, zwischen Mann und Frau zu unterscheiden, ist abhängig von einer sprachlichen Codierung. Doch die ist uns so zur ‚zweiten Natur’ geworden, dass wir uns über sie keine Gedanken mehr machen. Der Blick auf degenerative Erkrankungen wie bestimmte Aphasien oder Demenz verdeutlicht, dass die Fähigkeit zur Unterscheidung der Geschlechter unter bestimmten Umständen auf die gleiche Art verlernt werden kann, auf die wir sie zuvor als Kind erlernt haben.

Dings vom Dach

Die Beziehung zwischen einem opaken, noch nicht in den sprachlichen Diskurs eingeführten Ding und einer sprachlich verorteten Vorstellung wird humorvoll thematisiert in Gameshows wie beispielsweise Dings vom Dach im hr3 Fernsehen. Zu Beginn jeder Runde präsentiert der Moderator einen sonderbaren Gegenstand. Funktion und Verwendung dieses Dings, meist ein exotisches Spezialwerkzeug, sind rätselhaft. Die Kandidaten im Studio müssen erraten, welchem Zweck dieses ominöse Ding dient: Sie können es in Händen halten – aber das nützt ihnen rein gar nichts. Die Sendung führt vor Augen, inwiefern das konkrete Anfassen noch nichts zu tun hat mit ‚Begreifen‘. Und so bekommen wir in dieser Sendung mit, wie die Kandidaten das rätselhafte Ding mit sprunghaften Assoziationen und teils abenteuerlichen Mutmaßungen in einen sprachlichen Kokon zurückzuholen versuchen.

Dings vom Dach in der ARD-Mediathek

Die vermeintliche Trivialität dieses Fernsehformats täuscht darüber hinweg, dass hier eine der Grundfunktionen menschlicher Geistestätigkeit spielerisch vor Augen geführt wird: die elementare Notwendigkeit der Versprachlichung. Es geht folglich nicht darum, etwas Gedachtes noch zusätzlich mit Wörtern zu benennen. Vielmehr geht es darum, dass dieses Dings vom Dach – und das gilt ebenso für das biologische Geschlecht – erst dann existiert, wenn wir es in den sprachlichen Diskurs hineingeholt haben. In dieser banalen Fernsehshow wird folglich das inszeniert, was der Dichter Stefan George am Ende seines (aus dem Jahr 1928 stammenden) berühmten Poems Das Wort ausdrückt:

Drum lernt’ ich traurig den verzicht:
Kein ding sei, wo das wort gebricht.

Stefan George

Das gilt insbesondere für das vermeintlich ‚Extralinguistische’ des biologischen Geschlechts. Doch was folgt daraus für das Projekt der gendersensiblen Sprache? Die von Jacob Grimm als unproblematisch vorausgesetzte „Beobachtung der Sexualverschiedenheit“ ist in Wahrheit nicht so unproblematisch. Unser Blick auf die uns umgebende Wirklichkeit entspricht daher keinesfalls einer ‚vorsprachlichen’ Unmittelbarkeit, die wir zum Zweck der Kommunikation ganz nebenbei noch zusätzlich in Worte fassen würden. Unser Blick auf die Welt ist immer schon gerastert durch ein sprachlich strukturiertes Muster des Verstehens oder Missverstehens. Folglich ist die oben zitierte Behauptung von Damaris Nübling (einer der Wortführerinnen der Gender-Linguistik), das biologische Geschlecht entspreche einer „sprachexternen Kategorie“, in sich widersprüchlich. Eine Kategorie ist immer sprachlich.

Entgegen einer naiven, aber dennoch verbreiteten Vorstellung entspricht die sprachliche Tätigkeit des Benennens demnach nicht einer Referenzkette, die an ihrem Ende über Sprache hinaus auf das Ding bzw. den Gegenstand – oder das biologische Geschlecht – verwiese. Sprache verweist allein auf Sprache. Und nicht, wie gemeinhin unterstellt wird, auf ‚Nichtsprachliches’.

Daraus folgt jedoch, dass das, was wir als das ‚biologische Geschlecht‘ bezeichnen, kein An-sich-Sein hat, das schon im Voraus erkannt worden wäre. Die Art und Weise, wie wir die von Diewald und Steinhauer arglos unterstellte „Referenzperson [in] der außersprachlichen Welt“ wahrnehmen, entspricht einem ‚Konstrukt’ – jedoch nicht, wie modische Genderstudies nahelegen, einem ‚sozialen‘, von der ‚patriarchalen Gesellschaft‘ geprägten, sondern schlichtweg einem sprachlichen Konstrukt. Dieses Konstrukt differiert in Teilaspekten, je nachdem, ob ein Gynäkologe, ein Gigolo oder ein neurotischer Frauenhasser das ‚biologische Geschlecht‘ betrachtet.

Wenn also das biologische Geschlecht nicht über ein selbsterklärendes An-sich-Sein verfügt, sondern von der Perspektive unserer sprachlich strukturierten Wahrnehmung abhängt – dann befindet sich dieses vermeintlich ‚natürliche Geschlecht’ auf einem vom grammatischen Geschlecht, dem Genus, gar nicht so verschiedenen Register. Genus und Sexus dürfen zwar nicht verwechselt werden, in beiden Fällen eröffnet aber erst Sprache den möglichen Zugang. Diese linguistische Betrachtung – die unter anderem der späte Wittgenstein und auch der kanadische Philosoph Charles Taylor ins Zentrum ihrer Sprachanalyse rücken – ermöglicht schließlich einen Hinweis darauf, warum das Gendern überhaupt so populär wurde und warum Befürworter des Genderns im generischen Maskulinum nicht die androgyne, vom Geschlecht abstrahierende Form wahrnehmen wollen, sondern beharrlich behaupten, es sei eine männliche Form.

Mein Teekesselchen

Übersehen wird dabei, dass das biologische Geschlecht, der Sexus, ebenso eine sprachlich vermittelte Tatsache ist wie das grammatische Geschlecht, das Genus. Befürworter des Genderns unterliegen folglich einer Form von Doppeltsehen, das nicht einfach auf einer Fehleinschätzung basiert, sondern auf einer Form von ‚Kreativität’, die von der Sprache selbst bereitgestellt wird. Hinsichtlich dieser ‚fehlgeleiteten’ Kreativität laufen nun alle vorangegangenen Beobachtungen zusammen. Wir erinnern uns: Das generische Maskulinum, so das Argument der Genderbefürworter, stimme mit dem nicht-generischen Maskulinum sprachlich überein. Wie bei einer Kippfigur können je nach Lesart Frauen wahlweise ‚mitgemeint‘ oder ausgeschlossen werden. Meist würden sie jedoch ausgeschlossen. Dies habe zu einer realen Benachteiligung in verschiedenen Bereichen geführt.

Bevor das zentrale Misskonzept der geschlechtersensiblen Sprache in den Blick genommen wird, soll kurz daran erinnert werden, dass das im Gender-Diskurs eine zentrale Rolle spielende Wort ‚mitmeinen‘ eine eigentümliche Karriere durchlief. Bis 1980, so Helmut Klemm, war dieses Wort so gut wie gar nicht im Gebrauch. Erst ab 2018, so belegt ein Blick ins Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), habe dieses Wort eine erhebliche Konjunktur durchlebt. Kein anderes Wort im Gender-Diskurs erzeugt eine vergleichbare (Pseudo-)Evidenz: „99 Staatsbürgerinnen und ein Staatsbürger sind auf Deutsch 100 Staatsbürger. Die 99 Bürgerinnen können zusehen, wo sie bleiben; sie sind nicht der Rede wert […] Das Medium Sprache ist grammatisch so organisiert, dass mit fast jedem Satz, in dem von Personen die Rede ist, die Vorstellung ‚männliche Person’ erzeugt wird. Denn unsere Grammatiker schreiben vor, dass jede noch so große Menge von Frauen symbolisch zu einer Männermenge wird, sobald nur ein einziger Mann hinzukommt“ (Pusch 1999: 10f.).

Schwurbeln

Dass Frauen also nur ‚mitgemeint‘ sind, scheint unstrittig zu sein. Dagegen merkt Helmut Klemm an: „Das DWDS hat dem Mitmeinen – sicher in lauterer Absicht – ein Referenzwort als typisches Beispiel […] beigestellt, das den prekären Stand von ‚mitmeinen’ insgesamt zu reflektieren scheint: das Wort ‚schwurbeln’ – womöglich eine Schwester im Geiste“ (Klemm 2022).

Wie dieses „Schwurbeln“ funktioniert, soll nur erhellt werden. Zur Erinnerung: Die im Sinne des generischen Maskulinums gebildete Pluralform ‚die Piloten’, ‚die Zuschauer’ etc., so die nur gefühlte Schlussfolgerung der Genderbefürworter, kann also gar nicht geschlechtsneutral sein, da sie – so der entscheidende Punkt – homonym mit dem Maskulinum im Singular ist. Darüber besteht in der Gender-Linguistik Einigkeit: „Das wohl meistdiskutierte Genus-Sexus-Problem“, meint die Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling, „bildet das sog. generische Maskulinum, das zwar um das Merkmal ‚männlich’ reduziert ist, formal aber mit der entsprechenden männlichen Bezeichnung homonym ist“.

Homonymien, so das Lexikon der Sprachwissenschaft, verfügen „über eine gleiche Ausdrucksform […] bei unterschiedlicher Bedeutung“. So sind „die Mark“ und „das Mark“ ebenso homonym wie „der Zug“. Letzteres Wort kann eine Eisenbahn ebenso wie eine Gesichtsregung bedeuten. Der Sprachschatz verfügt über unzählige Homonymien. Das ist ein Gemeinplatz, denn auf dieser Eigenart der Sprache basiert beispielsweise jenes Spiel, das man von Kindergeburtstagen kennt:

Erstes Kind: „Mein Teekesselchen ist ein kleines Tier mit spitzen Zähnen.“
Zweites Kind: „Mein Teekesselchen gibt es auch als Zubehör für Computer.“
Lösung des Ratespiels: Das Homonym ist die „Maus“.

Bestimmt dieses Teekesselchen-Prinzip auch die Doppelsinnigkeit des generischen Maskulinums? Genau so argumentiert die feministische Linguistik. Es sei, schreibt Damaris Nübling, „kein Zufall, dass gerade die männliche Bezeichnung zum umfassenden Oberbegriff avanciert“ sei: Hier manifestiere sich „sprachlich zementierter Androzentrismus. Der Mann [ist] bei jeder Lesart eingeschlossen – sei es sexusneutral oder sexusspezifisch –, während die Frau sich ständig in referentieller Unsicherheit befinde[t].“

Warum, so muss man hier fragen, ist dies „kein Zufall“? Worin genau besteht die unterstellte Notwendigkeit? Nüblings Argument ist nur die (pseudo)wissenschaftliche Formulierung dessen, was oben als die nur gefühlte Evidenz für die Einführung geschlechtersensibler Sprache bezeichnet wurde. Das Argument ist nämlich zirkelschlüssig: Es setzt das voraus, was erst bewiesen werden soll. Gesteht man nämlich zu, die generische Form ‚die Zuschauer’ sei mit der nicht generischen männlichen Singularform gleichnamig (homonym), dann ist es wie bei einer Dreisatzrechnung unausweichlich, dass das generische Maskulinum immer schon durch die männliche Bedeutung gleichsam semantisch kontaminiert ist. Aus diesem Grund ziehen die Befürworter der geschlechtersensiblen Sprache die scheinbar einleuchtende Schlussfolgerung, dass, wenn es „kein Zufall (sei), dass gerade die männliche Bezeichnung zum umfassenden Oberbegriff avancierte“, Frauen eben ‚nur mitgemeint‘ seien.

Genus und Sexus, so die Schlussfolgerung, seien durch die im generischen Maskulinum auftretende Gleichnamigkeit (Homonymie) semantisch kontaminiert. Im Gegensatz aber zum Teekesselchen-Spiel, bei dem das Nagetier und die Computermaus sich tatsächlich ein und denselben Namen teilen, verfügen der Chirurg und die Chirurgin über eigene Namen. Zu jener unterstellten Verwechslung kommt es allein deswegen, weil der Chirurg in der männlichen Singularform und der Chirurg im Sinne des generischen Maskulinums eine Gemeinsamkeit der Lautbilder aufweisen. Das generische und das nicht generische Maskulinum sind demnach nicht homonym, sondern homophon, also gleichlautend. Das ist ein großer Unterschied. Was folgt daraus?

Kommt „dämlich“ von „Dame“ und „herrlich“ von „Herr“?

Als Beispiel für Homophonien führt das Lexikon der Sprachwissenschaft an, dass das Substantiv „Meer“ und das Kompositum „mehr“ beide gleich ausgesprochen werden. „Meer“ und „mehr“ sind aber nicht wie beim Teekesselchen-Spiel homonym. Im Gegensatz zu Homonymien haben Gemeinsamkeiten der Lautbilder (Homophonien) eine andere Funktion. Sie bilden die Voraussetzung für jene Kreativität, die mit dem performativen Charakter eines jeden Sprechaktes zu tun hat (davon später mehr). Während also die Gender-Linguistik behauptet, das generische Maskulinum und die männliche Form seien aufgrund einer Homonymie auf ewig miteinander verschweißt, verdeutlicht eine andere Betrachtung, dass die kurze Lehrfabel vom Chirurgen eben keine eingefrorene Situation beschreibt. Die kurze Geschichte ist vielmehr konstruiert wie ein x-beliebiger Witz. Nehmen wir folgendes Beispiel:

Ein Mann beißt in eine Straßenbahnschiene und schreit dabei vor Schmerz, weil die Schiene so hart ist. Ein anderer tritt hinzu und gibt ihm den Rat: „Schau mal, da drüben ist eine weiche.“

Beim bloßen Hören dieses ausgesprochenen Satzes verstehen wir nicht, dass „eine weiche“ klein geschrieben wird im Sinne von ‚eine weiche Schiene‘. Nicht durch die Homonymie, sondern durch den rein zufälligen Gleichklang (die Homophonie) zwischen „eine weiche“ und „eine Weiche“ entsteht ein Doppelsinn zwischen dem Gefühl von schmelzendem Camembert und der Weiche im Sinne der Abzweigung.

Durch solch einen zufälligen Gleichklang entsteht beim Witz ein Doppelsinn jeweils neu. Obwohl der Witz auf einem scheinbar simplen, wiederkehrenden Muster basiert, entsteht durch ihn jene unerschöpfliche Bedeutungsvielfalt, von der Humboldt sprach. Entscheidend ist nun, dass die ‚gendersensible’ Lesart im generischen Maskulinum das in der Zufälligkeit wurzelnde Schöpferische der Sprache ausblendet. Die Idee, das generische Maskulinum sei ein struktureller Fehler, reduziert Sprache auf ein statisches, sich wie bei einem Computer­programm identisch wiederholendes Muster. Der unmotivierte Gleichklang zwischen den übergeschlechtlichen Angestellten im Plural und dem einzelnen männlichen Angestellten wird in der feministischen Linguistik als eine motivierte, für alle Zeit eingefrorene Namensgleichheit (Homonymie) verkannt.

Gefühlte Etymologie

Gendern, so das Zwischenfazit, basiert auf einer nur gefühlten Etymologie. Der Gebrauch ‚geschlechtersensibler’ Sprache funktioniert ähnlich wie der Witz mit der Straßenbahnschiene. Mit dem Unterschied, dass das Gendern als ‚umgekehrter Witz‘ funktioniert. Zwischen dem generischen und dem nicht-generischen Maskulinum besteht so viel Namensgleichheit wie zwischen der Verkehrsregel „Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt“ und der Bezeichnung eines Rechtsradikalen. Eine Homophonie, ein Gleichklang, besteht hier gewiss. Aber sollte man deshalb die Verkehrsregel ändern, weil Rechtspopulisten auf die Idee kommen könnten, dass sie aufgrund der Straßenverkehrsordnung auch im politischen Sinne ‚Vorfahrt‘ hätten?

Die der Problematisierung des generischen Maskulinums innewohnende Pseudologik hat Ähnlichkeit mit dem in der Sprachwissenschaft bekannten Phänomen der Volksetymologie. Es handelt sich dabei um teilweise liebenswürdige Verschlimmbesserungen, die unablässig erfolgen. So entspricht beispielsweise das französische Wort choucroute einer lautmalerischen Nachahmung des deutschen „Sauerkraut“. Choucroute ist zusammengesetzt aus chou (Kohl) und croute. Doch croute, also die Kruste bzw. Brotrinde, hat mit Kraut rein gar nichts zu tun. Im Dialekt des Elsass, also einer französischen Grenzregion zu Deutschland, klingt croute aber wie das deutsche Kraut (das dort wie krut ausgesprochen wird). Deshalb wurde auf dem Weg einer volksetymologischen Hörangleichung aus der Kombination von chou mit croute das französische choucroute – also eine Art ‚Kohlkraut‘.

Eine sprachliche Tätowierung

Gemäß solcher Formen von Volksetymologie leitet sich angeblich auch – worauf Luise F. Pusch genüsslich verweist – das Adjektiv „herrlich“ vom Substantiv „Herr“ ab. „Dämlich“ komme von „Dame“. Und im Englischen impliziere das Wort history, dass wir bei geschichtlichen Zusammenhängen stets mitdenken, dass es sich um his story handelt – also um eine Historie, die nur von Männern geschrieben wurde.

Gendern basiert folglich auf einer Mischung aus Volksetymologie und negativer Poesie. Warum negativ? Die Vignette über den Chirurgen, der sich überraschenderweise als Frau entpuppt, entspricht, wie ausgeführt, einem typischen Witz. Da jeder Witz bekanntlich immer nur einmal funktioniert, ist er das Paradebeispiel schlechthin für die strukturelle Unabschließbarkeit des Sprachkorpus. Indem wir im alltäglichen (Ver-)Lesen, Sprechen oder Schreiben – gewollt oder ungewollt – permanent neue Wortspiele kreieren, schaffen wir unablässig neue Bedeutungen und neue Lesarten.

Jene Lesart nun, die der Befürwortung geschlechtergerechter Sprache zwangsläufig zugrunde liegt, deutet das generische Maskulinum aber gerade nicht als Paradigma für die anarchische, nicht beherrschbare Bedeutungsoffenheit der Sprache. Sondern genau umgekehrt. Entgegen der konkreten Erfahrung, die jeder Sprecher tagtäglich macht, sehen Befürworter der gegenderten Sprache im generischen Maskulinum ein stereotyp wiederkehrendes Lese- und Verständnismuster, aus dem Hörer und Sprecher sich nicht aus eigener Kraft zu entziehen vermögen. In diesem Sinn versucht auch die Autorin Kübra Gümüşay, das Türkische gegen „die Unzulänglichkeit des generischen Maskulinums“ im Deutschen auszuspielen. Im Deutschen erlebe sie „Mauern und Grenzen der Sprache“, die „uns die Luft zum Atmen“ (Gümüşay 2021: 20) nehmen.

Ist Sprache ein ‚geistiges Gefängnis‘?

Um den Nachweis zu erbringen, dass das generische Maskulinum eine in der Sprache ‚fest verdrahtete’, unwandelbare Struktur darstellt, müssen Pusch und mit ihr die Befürworter des gendersensiblen Sprachgebrauchs zwangsläufig so weit gehen, Sprache als starre, unwandelbare, ‚totalitäre’ Struktur zu definieren. Damit wiederholt Pusch die einstmals populäre Theorie von Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf. Gemäß der Sapir-Whorf-Hypothese stellen einzelne Sprachen – wie etwa die der Hopi-Indianer, die gemäß einer längst widerlegten Analyse angeblich keinen abstrakten Zeitbegriff zur Verfügung hätten – aufgrund ihrer Struktur ein geistiges Gefängnis für den Sprecher dar. Als ein solches geistiges Gefängnis muss freilich gerade auch das generische Maskulinum gelten (vgl.: Deutscher 2010: 164).

Laut einer Umfrage, durchgeführt im April 2019 vom Marktforschungsinstitut INSA, antworteten 60 Prozent der Befragten, ihnen sei gegenderte Sprache „sehr unwichtig“ oder „eher unwichtig“. Dennoch findet das Thema nach wie vor eine enorme Beachtung. Es wird allerdings hauptsächlich bei staatlichen Institutionen wie Regierungen und gebührenfinanzierten Rundfunkanstalten propagiert. Unterrichtet wird im deutschen Sprachraum gegenwärtig von geschätzt 200 Genderprofessor*innen. Kaum noch Uni-Webauftritte, bei denen nicht gegendert wird. Es wächst die Anzahl der Lehrkräfte, die ihren „Studierenden“ die Hausarbeit zurückgeben oder Punkte abziehen, wenn sie „Schneemann“ statt „Schneeperson“ oder „Muttermilch“ statt „Elternmilch“ schreiben. Im Supermarkt wird auch schon mal „Hühner*innenfilet“ angeboten und die Gewerkschaft der Polizei spricht in einem Tweet von „Polizeienden“ und „Bösewichtinnen“.

„Frauen sind die natürlichen Anführerinnen“

Noch zwei Beispiele aus der alltäglichen Praxis: In der fünften Episode der Netflix-Serie Der Untergang des Hauses Usher sagt ein Dämon: „Women are the natural leaders of the species“. In der deutschen Synchronisierung ebenso wie in den gegenderten Untertiteln heißt es: „Frauen sind die natürlichen Anführerinnen“. Die Widersinnigkeit dieser Formulierung habe ich (gegen meinen Willen) verwendet in einem Zeitungsartikel über Paula Schlier, eine investigative Journalistin, die 1923 undercover in der Redaktion des Nazi-Hetzblattes Völkischer Beobachter recherchierte. In der Marginalspalte zum Artikel habe ich Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider, die Herausgeber der Tagebücher von Paula Schlier, wie folgt zitiert: „Paula Schlier gilt als eine der ersten investigativen Journalistinnen“. Wie im Satz „Frauen sind die natürlichen Anführerinnen“ geht durch die gegenderte Form der Sinn des Satzes, den allein das generische Maskulinum im Sinn einer ungeschlechtlichen Form ausdrückt, verloren. Der Satz „Paula Schlier gilt als eine der ersten investigativen Journalistinnen“ sagt aus, dass sie lediglich die erste Frau in diesem Genre war – und nicht der erste Journalist überhaupt, der diesen Job verrichtete.

Die hier anknüpfende Fragestellung, wie sich formelhaftes von spontanem Sprechen unterscheiden lässt, betrifft zugleich ein Kernproblem jeder Linguistik. Es geht darum, dass ein Sprecher mittels einer endlichen Anzahl von Zeichen unbegrenzt viele Bedeutungen schöpfen kann. Bei diesen unbegrenzt vielen Bedeutungen sind nicht nur Romane, Gedichte und Small Talks gemeint. Kein Gespräch, das Menschen von Anbeginn miteinander führten, gleicht einander – wenngleich man häufig das Gefühl hat, dass Politiker nur noch in wiederkehrenden Phrasen reden. Entscheidend ist, dass Sprache als solche ein ‚kreatives Potential’ birgt, das grundsätzlich unausschöpfbar ist. Dem wird niemand ernsthaft widersprechen.

Was noch nie gesagt wurde

Doch wenn dem so ist, so steht die Linguistik vor dem Problem, auf rationale Weise Rechenschaft abzulegen von einem ‚Prinzip’ bzw. einem ‚Mechanismus’ oder einer wie auch immer gearteten ‚Befähigung’, die jeden Sprecher auf dieser Welt in die Lage versetzt, in jedem Moment etwas hervorzubringen, das potentiell so noch nie gesagt oder niedergeschrieben wurde. Es gibt also in der Sprache gewissermaßen ‚Pforten in die Unendlichkeit’. Diese ‚Pforten’ stehen dem Sprecher allerdings nicht von Anfang an offen. Kinder lernen Sprechen – aber deswegen können sie noch lange nicht zwischen den Zeilen lesen, Witze verstehen oder in Anspielungen reden.

Es geht folglich darum, dass Rhetorik – die selbstredend ein Phänomen ist, das allen Sprachen gemein ist – so etwas wie die ‚Tür zur Unendlichkeit’ öffnet. Rhetorik wird ermöglicht, weil Sprache nicht das ist, für das viele Linguisten sie halten: Sprache ist kein geschlossenes System. Die Struktur der Sprache ist porös. Und die Orte, an denen sich diese Durchlässigkeit hin zum Unendlichen zeigen, sind die sogenannten unmarkierten Formen; diese haben einiges zu tun mit dem von Saussore sogenannten Nullzeichen. Im Folgenden geht es darum, dass auch das umstrittene generische Maskulinum eine unmarkierte Form im Sinne eines Nullzeichens ist.

Das Nullmorphem und die nicht markierten Formen

In den Jahren 1939 und 1940 publizierte der Linguist Roman Jakobson zwei kurze Aufsätze, die er jeweils mit Das Nullzeichen überschrieb. Für Laien sind beide Texte schwer nachvollziehbar. Sie setzen Fremdsprachenkenntnisse u.a. des Russischen voraus. Man kann diese beiden Aufsätze jedoch nachvollziehen, denn Jakobson bezieht sich im Wesentlichen auf einen Gedankengang, den bereits Ferdinand de Saussure in seinem 1916 publizierten Cours de linguistique générale sehr viel anschaulicher darlegt. Saussure spricht von einem „merkwürdige[n] Fall“ (Saussure 1967: 102), der eigentlich gar nicht so seltsam erscheint. Er bezieht sich auf ein altslawisches Wort, bei dem die Deklination jedes grammatischen Falls zunächst jeweils eine Endung hatte. Doch im Zuge des Sprachwandels ist die Endung im Genitiv irgendwann verschwunden. Dennoch weiß man beim Aussprechen – und zwar dank des jeweiligen Kontextes – noch sehr wohl, dass es sich um besagten Genitiv handelt – obwohl dieser nicht mehr als solcher markiert wird. Es geht also um die Logik der Markierung.

Dies scheint, so der Einwand, ein marginales Problem für Sprachspezialisten zu sein. Der Zusammenhang mit dem Gendern scheint sich nicht aufzudrängen. Die Vertiefung dieser Problematik, so soll nun gezeigt werden, ermöglicht überhaupt erst eine Einordnung des Ausmaßes, in dem Gendern Sprache manipuliert. Gendern macht Sprache, die aufgrund ihrer Natürlichkeit etwas Unbeherrschbares hat, ein Stückweit zu einem stereotyp mechanisierten Instrument.

So führt Jakobson eine Reihe weiterer solcher Beispiele für Ausnahmefälle an, in denen etwas ausgedrückt wird, ohne dass dieses Ausgedrückte mit einem expliziten Zeichen markiert würde. Die jeweilige Markierung existiert – dies jedoch durch ihr Fehlen. Saussure hat dieses in allen Sprachen zu beobachtende Phänomen benannt, indem er sagte, dass diese sprachliche Form „den Exponenten Null“ (ebd.: 103) hat. In der heutigen Sprachwissenschaft werden solche Unregelmäßigkeiten als Nullmorphem bezeichnet.

Ein Nichts, das kein „Nichts“ ist

Dazu einige Beispiele: So gibt es im englischen Worte wie cat oder fence, bei denen der Plural markiert wird (und zwar jeweils mit einem s: cats; fences). Dagegen ist der Plural von sheep oder fish identisch mit dem Singular. Der Plural bleibt hier folglich – unmarkiert. Das heißt: an der Stelle, an der der Plural von fish ausgedrückt werden müsste, befindet sich ein ‚Nichts‘. Es ist aber ein Nichts, das keineswegs „nichts“ ist und vernachlässigt werden könnte. Man erschließt nämlich den unmarkierten Plural jeweils aus dem Kontext. Der Plural wird also sehr wohl ausgedrückt. Dieser Vorgang ist alles andere als trivial.

Saussure gibt ein weiteres Beispiel, das erahnen lässt, inwiefern solche vermeintlichen Ausnahmen eigentlich recht häufig vorkommen; ja, sie machen das heimliche Zentrum der Sprache aus. „Im Englischen finden wir in ‚the man I have seen’ […] etwas Syntaktisches, das durch Null dargestellt zu sein scheint, während das Deutsche dasselbe durch ‚den’ wiedergibt“ (ebd.: 165): ‚Der Mann, den ich gesehen habe’. Solche Beispiele lassen sich beliebig vermehren.

Die Linguistik hadert mit diesen Nullmorphemen. Ein Morphem ist nämlich definiert als das „kleinste bedeutungstragende Element der Sprache“ (Bußmann 1990: 502), das nicht mehr zerlegbar ist. Bei der Konzeptionalisierung eines Nullmorphems stößt die Linguistik folglich auf ein Problem. Das Nullmorphem entspricht einem Fehlen – einem Fehlen, das aber in der Sprachverwendung wie ein anwesendes bzw. markiertes Element fungiert. Nullmorpheme entsprechen somit einer speziellen Form, die sich einer Klassifizierung entzieht, weil eben nur positive Elemente klassifiziert werden können.

Auf diese Weise entsteht auch die Differenz zwischen dem Maskulinum „der Bäcker“ im Sinne eines einzelnen Mannes, der Brot backt, und dem generischen Maskulinum durch die unmarkierte Form eines Nullmorphems. Dieses Nullmorphem entspricht einer Art Gespenst in der Sprache. Die Unterscheidung zwischen dem einfachen und dem generischen Maskulinum wird nämlich nicht wie üblich durch eine Markierung getroffen. So wie der Plural von „Fisch“ durch die Endung „e“ gebildet wird. Die Differenz zwischen der einfachen männlichen Form und dem generischen Maskulinum entspricht einer ‚virtuellen Form’, die sich jeweils erst im Kontext des je unterschiedlichen Sprachgebrauchs zeigt.

Fasst man das generische Maskulinum als unmarkierte Form auf, so wird allmählich erahnbar, dass eine populär gewordene Lesart die Auffassung favorisiert, die weibliche Form im Plural würde schlichtweg fehlen; Sprache hätte hier ein politisch motiviertes Defizit, das durch eine Markierung behoben werden müsse. Wie sehr diese Auffassung in die Irre geht, soll abschließend angerissen werden.

Fähigkeit zur bildlichen Rede

Das Phänomen des Nullzeichens bzw. des Nullmorphems lässt erahnen, dass es – und zwar notwendigerweise – unzählige sprachlich Formen gibt, bei denen Morpheme die Möglichkeit bereitstellen, Mehrdeutigkeiten zu bilden. Die Funktion der Metapher und die jeder natürlichen Sprache zugrunde liegende Fähigkeit zur bildlichen Rede zwischen den Zeilen (aus psychoanalytischer Sicht die Grundlage für die Symptombildung) sind daher nur ein Spezialfall jener funktionalen Mehrdeutigkeit, die das Prinzip selbst der Verwendung von Morphemen überhaupt erst möglich macht. Meine These ist daher: Das umstrittene generische Maskulinum ist nur eine von zahlreichen unmarkierten Formen im Sinne des beschriebenen Nullmorphems. Daran anknüpfen möchte ich die These, dass diese Nullmorpheme überhaupt erst die Voraussetzung schaffen, dass Sprache im Sinne Humboldts mit einer begrenzten Anzahl von Zeichen potentiell unendlich viele Bedeutungen generieren kann.

Dieser Aspekt des Nullmorphems steht in engem Zusammenhang mit einer Klasse von Worten, die man als deiktische Ausdrücke bezeichnet. Es geht um Ausdrücke wie „hier“ und „jetzt“, die ihre Bedeutung allein dadurch erhalten, dass sie in einem performativen Sinn auf den hier und jetzt Sprechenden verweisen (vgl.: Riepe 2014: 291-295). Die wichtigsten deiktischen Ausdrücke sind die Pronomen der ersten und zweiten Person Singular, also ich und du.

Der im jeweiligen Sprechakt sich selbst Bezeichnende

Wie der Linguist Émile Benveniste in zwei rasch kanonisch gewordenen Aufsätzen hervorhob, entspricht das Ich folglich einem Platzhalter. Benveniste bezeichnet die semantische Unbestimmtheit pronominaler Formen wie „ich“ folglich als „einen Komplex ‚leerer‘, […] nichtreferentieller, immer verfügbarer Zeichen, die ‚voll‘ werden, sobald ein Sprecher sie in jeder Instanz seiner Rede übernimmt“ (Benveniste 1956a: 254; 1958: 263). Roman Jakobson bezeichnete die pronominale Form des Ich als Shifter. Er weist daraufhin, dass Kinder den Gebrauch dieses Shifters erst erlernen müssen, denn er widerspricht der kindlichen Vorstellung, wonach jede Person ihren eigenen Namen hat. Warum bezeichnet mein Gegenüber sich dann ebenso als ich wie ich selbst: „Wage es nicht, dich ich zu nennen, nur ich bin ich, und du bist du“, sagte ein Kind.

Émile Benveniste (1902 – 1976)
© s. u.

Der Versuch, die Bedeutung des Wortes ich durch einen objektiven Allgemeinbegriff zu fixieren – beispielsweise als „ein Wort, mit dem der jeweilig Redende sich selbst bezeichnet“ (Husserl 1968: 82) – ist (wie Edmund Husserl in seinen Logischen Untersuchungen plastische vor Augen führte) zum Scheitern verurteilt: „Sonst dürften wir ja“, so Husserl, „für ich einfach substituieren der jeweilig Redende, der sich selbst bezeichnet. Offenbar würde die Substitution nicht bloß zu ungewohnten, sondern zu bedeutungsverschiedenen Ausdrücken führen. Z.B. wenn wir anstatt ich bin erfreut sagen wollten der jeweilig sich selbst bezeichnende Redende ist erfreut“ (ebd.).

Das Beispiel von Husserl führt vor Augen, wohin das Gendern führt. Es führt zu einer Entpersönlichung des Sprechens. Denn der Sprecher transportiert bei jedem beliebigen Sprechakt eine Zusatzinformation mit. Und zwar eine Zusatzinformation, die im Gegensatz zu einem Freudschen Versprecher kein anarchischer Wildwuchs ist, sondern eine aufoktroyierte politische Botschaft. Dadurch wird Sprechen auf eine Art und Weise entsubjektiviert, die Husserl vorführte: Der jeweilig sich selbst bezeichnende Redende ist gegendert.

Emotionale Sprengkraft

Die hier sich regende Befürchtung einer durch Gendern ausgeübten Zensur erfasst bei Weitem nicht das eigentliche Ausmaß der Problematik. Wenn Gendern, wie hier ausgeführt wurde, einer negativen Poesie entspricht, einem liebenswürdig daherkommenden Sprachterror, dann wird das Sprechen insgesamt durch diesen Eingriff kontaminiert. Wenn der Newsletter einer Werbeagentur den Genderstar (bzw. den Doppelpunkt) benutzt und der Nachrichtensprecher im Fernsehen den Glottislaut ausspricht, dann wird Sprechern und Schreibern eine Sprachpraxis auferlegt, die eine spezifische Zusatzinformation in jede Äußerung aufnimmt. Gendern ist, wie Ewa Trutkowski sagte, eine „sprachliche Tätowierung“, die der Kommunikation eines Meinungskorridors dient.

Man kann noch einen Schritt weiter gehen. In der DDR aufgewachsene Schriftsteller wie Eugen Ruge oder Reiner Kunze haben ein Gespür dafür, wie Gendern die Kommunikation auf die gleiche Weise entsubjektiviert wie jener Sprechcode im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat. Menschen aus der DDR pflegten einen bürokratischen, unpersönlichen Tonfall, den man ihnen Jahrzehnte später noch anhört.

Um die Emotionalisierung zu erklären, der die Gender-Debatte auslöst, möchte ich zum Schluss auf zwei Podcasts des Bayerischen Rundfunks eingehen. Beide Podcasts verdeutlichen, wie Sprecher durch sogenannte geschlechtersensible Sprache unter Druck gesetzt werden, und zwar gegen ihren Willen – selbst dann, wenn ein Diskussionsforum zu dieser Problematik sich scheinbar ergebnisoffen präsentiert. Die beiden Podcasts aus besagter BR2-Reihe Sozusagen!, die sich mit sprachspezifischen Problemen auseinandersetzt, haben das Thema, wie es scheint, unaufgeregt und informativ aufgegriffen. Dabei machen die beiden Sendungen jedoch (indirekt) klar, worin eigentlich die emotionale Sprengkraft der Gender-Thematik liegt.

In der Ausgabe Linguistik vs. Gendern? Geht auch differenzierter! vom 12.08.2022 und in der Sendung Gendern = Sprachplanung? Zur Kritik am ÖRR vom 02.09.2022 führte Tobias Stoisek, Moderator der Reihe, jeweils Gespräche mit renommierten Fachleuten. In der letztgenannten Sendung war dies Franz Lebsanft. Der emeritierte Professor für romanische Sprachen an der Uni Bonn ist Mitunterzeichner eines offenen Briefes, in dem Linguisten das Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisieren. Der Sprachwissenschaftler monierte, die Verwendung von geschlechtersensibler Sprache sei nicht demokratisch ausgehandelt worden. Er begründet dies unter anderem damit, dass der Flyer Tipps für eine moderne Sprache im ZDF die Sprechregelung „mit der autoritären Macht eines Intendanten einführt“. Wie Recht er damit hat, führte beispielsweise Andrea Kiewel vor Augen. Im ZDF-Fernsehgarten vom 15. 08.2022 sprach die populäre Moderatorin von der „Singer-Songwriter*innen-Szene“. Ihre Entschuldigung für den Gebrauch des Glottislautes („nicht das Gesicht verziehen, ich muss“) sorgte in sozialen Netzwerken für große Resonanz.

„Wir können uns performativ nicht entziehen. Weil wir es nicht unterlassen können zu sprechen.“

In der Sendung vom 12.08. mit dem Sprachwissenschaftler Simon Kasper wurde indirekt deutlich, auf welche Weise sich diese Sprachpolitik durchsetzt (und warum sie Menschen wütend macht). Denn eigentlich versuchte Kasper ja eine Metaposition zu vertreten. Siebzig Zeitungsartikel aus den vergangenen Jahren hat er dafür untersucht. Der Linguist will zeigen, „wo auf beiden Seiten blinde Flecken existieren“. Einen dieser blinden Flecken machte der Podcast deutlich – dies allerdings nur indirekt. So erklärte Simon Kasper zu Beginn der Sendung auf die Frage, ob man sich hinsichtlich des Genderns überhaupt neutral positionieren könne: „Ich kann sagen: Ich möchte mich theoretisch nicht positionieren. Aber sobald ich spreche, tue ich es doch“. Das ist der entscheidende Punkt. Dem Sprecher wird durch Gendern die Verfügung über das, was er sagt, teilweise entzogen (dies jedoch anders als bei Versprechern oder Fehlleistungen). In diesem Sinne bekräftigte Kasper: „Wir können uns performativ nicht entziehen. Weil wir es nicht unterlassen können zu sprechen“.

Auf diese interessante Äußerung hin hätte der Moderator nachhaken müssen: Wie meinen Sie das? Er unterließ es. Stoisek fragte den Linguisten aber am Ende der Sendung, wie er selbst es mit dem Gendern halte. Kaper erklärte, seine Aufgabe sei es nicht, „Ratschläge zu erteilen oder politische Maßnahmen zu fordern“. Er wolle sich nicht positionieren. Er bevorzuge die neutrale Distanz. Das klingt plausibel. Ist es aber nicht. Denn mit der Doppelnennung („Sprachwissenschaftler und Sprachwissenschaftlerinnen“) hat Simon Kasper sich während der Sendung ja faktisch positioniert. Hätte er – und das ist die bittere Pointe – auf die Doppelnennungen konsequent verzichtet, so hätte er sich ebenso positioniert. „Wir können uns performativ nicht entziehen. Weil wir es nicht unterlassen können zu sprechen“. Der Linguist hat dieses Problem performativ illustriert: und zwar unfreiwillig. Diese ungewollte Positionierung wurde vom Moderator nicht thematisiert.

Struktureller Zwang

Wie der performative Widerspruch des Linguisten Kasper verdeutlicht, kann man sich dem Gendern grundsätzlich nicht entziehen. Warum? Weil man nicht auf das Sprechen verzichten kann. Denn so wie man nicht ‚ein bisschen schwanger‘ sein kann, kann man auch nicht ‚ein bisschen sprechen‘. Indem Befürworter des geschlechtersensiblen Redens die Sprache als ganze besetzen, bringt jede Sprechhandlung zwangsläufig entweder Bestätigung oder Ablehnung des Genderns zum Ausdruck. Ein Drittes gibt es nicht. Von der sogenannten geschlechtersensiblen Sprache geht folglich ein struktureller Zwang aus. Ein Zwang, der Sprecher von ihrer eigenen Sprache entfremdet. Denn egal, welche Sprachäußerung jemand tätigen möchte: in jedem Fall wird er manipuliert, um ungewollt eine (sprach-)politische Auffassung mit zu transportieren. Gendern, so das Fazit, ist kein Akt der Meinungsäußerung; stattdessen wird die Bedingung der Möglichkeit einer freien Meinungsäußerung radikal abgeschafft.

Im Gegensatz zur Intention, Frauen ‚sichtbar‘ zu machen, zeigt es sich, dass allein der Sprecher sichtbar wird, und zwar als Befürworter oder Gegner des Genderns. Gegenderte Sprache funktionalisiert den Sprecher. Als Paraphrase des Adorno-Bonmots („Es gibt kein richtiges Leben im falschen“) könnte man sagen: Es gibt kein unbefangenes Sprechen im Gegenderten. Und deshalb ist dieser Mechanismus totalitär.

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Pusch, L.F. (1999): Die Frau ist hier nicht der rede Wert, Frankfurt am Main: Suhrkamp

De Saussure, F. (1967/2013): Probleme der allgemeinen Sprachwissenschaft, Berlin: De Gruyter

Trutkowski, E. (2020): Vom Gendern zu politischen Rändern. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht spricht vieles gegen geschlechtergerechte Formen. Nüchterne Hinweise könnten die Debatte versachlichen, in: Neue Zürcher Zeitung vom 27.07.2020

(Der vorliegende Essay ist die erweiterte Fassung eines Aufsatzes, der am 06.04.2021 im Fachdienst Medienkorrespondenz – ehemals Funkkorrespondenz – erschienen ist.)

Bildnachweise

Titelfoto-Montage: © Alexander Girardi in Des Teufels Weib, British Library, via Wikimedia Commons; © Cornelsen Verlag

Hilfreiche Tipps und gute Argumente für eine geschlechtergerechte Sprache: © OPAK Werbeagentur

Ferdinand de Saussure (1857 – 1913): Public Domain, via Wikimedia Commons

Émile Benveniste (1902 – 1976): © ITEM – Institut des textes et manuscrits modernes


Manfred Riepe

arbeitet als freier Journalist, Autor, Film- und Fernsehkritiker. Veröffentlichungen zur Problematik medialer Gewalt sowie zu psychoanalytischen Themen, Lehraufträge an der Universität Basel, Filmvorträge am Deutschen Filmmuseum Frankfurt in der Reihe Kino und Couch. Zuletzt: Zoom-Vortragsreihe über Jacques Lacans unveröffentlichtes Seminar über die Identifizierung.
 
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